Gertraud  Marinelli-König


Die böhmischen Länder in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805-1848)

Tschechische nationale Wiedergeburt - Kultur- und Landeskunde von Böhmen, Mähren und Schlesien - Kulturelle Beziehungen zu Wien



ISBN 978-3-7001-6551-4
Print Edition

Sitzungsberichte der phil.-hist. Klasse 801 
Veröffentlichungen zur Literaturwissenschaft  28 
2010  ca. 1000 Seiten, broschiert, 22,5x15 cm
ca. €  100,00   

Gertraud Marinelli-König
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Kulturwissenschaften der ÖAW

Die Erinnerung an kulturelle Prozesse, verbunden mit der Herausbildung von modernen Schriftsprachen und Nationalliteraturen bzw. der Bewahrung nationaler Identität (Polen) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist für das Selbstverständnis der slavischen Kulturen Zentraleuropas von größter Bedeutung. Traumatische kollektive Erfahrungen von Kriegen, Totalitarismen und ökonomischen Zwängen, welche die jungen Nationalstaaten im 20. Jahrhundert zu gewärtigen hatten, führten zu Prozessen kultureller Ab- und Ausgrenzung, die nach wie vor mentale Barrieren darstellen. Die Erinnerung an kulturelle Gemeinsamkeiten war in den Hintergrund getreten, allseits wurden Strategien, die der Konstruktion nationaler Identität diente, verfolgt. Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wien, dem Zentrum politischer Macht des Habsburgerstaates, erschienenen gelehrten Zeitschriften und Unterhaltungsblätter, die sich als “nicht politische„ Organe definierten, haben in Form von Abhandlungen und Skizzen, Korrespondenzberichten, Notizen, Buchanzeigen und -besprechungen, und in ihren belletristischen Teilen durch Abdruck von literarischen Kurztexten trotz Zensur und Gängelung der Presse nicht zuletzt auch Wissen über den zentraleuropäischen Raum vermittelt. Das Wiener Vormärz-Slavica-Projekt hat sich die Auswertung dieser Quellen zum Ziel gesetzt. Dies geschieht in Form einer nach Themenbereichen gegliederten kritischen Bestandsaufnahme und Inventarisierung des Materials. Es erschienen bislang vier Bände: 1990: Russland in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805–1848) (Nachträge: 1998); 1992: Polen und Ruthenen in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805–1848); 1994: Die Südslaven in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805–1848; 2004: Oberungarn (Slowakei) in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz. (1805–1848). Die Kapitelgliederung ist in allen Bänden gleich: Literatur und Schrifttum – Sprachwissenschaften – Philosophie, Ästhetik, Rhetorik – Bildungsinstitutionen – Kunst – Recht – Landeskunde – Politische Ökonomie Naturwissenschaften und Mathematik. Der nun folgende fünfte Band über die böhmischen Länder umfasst in Teil I das Kapitel „Literatur und Schrifttum“ und erfasst: Nachrichten über tschechische und deutschsprachige belletristische Schriftsteller aus den böhmischen Ländern; eine Bibliographie ihrer zahlreichen in den Feuilletonteilen der Unterhaltungsblätter erschienenen Texte bzw. rezensierten Bücher; eine Bibliographie böhmischer Stoffe; im Zitat die Beiträge über die Handschriften-Funde (Königinhofer und Grünberger Handschrift); Hinweise auf Notizen das Verlagswesen, die tschechische und deutschsprachige Presse; Übersetzungsliteratur; Beiträge zur Literaturkritik und Literaturentwicklung. Dieses Material wird aus dem Speicher des Gedächtnisse gehoben, um so die kulturellen Verhältnisse vor 1848 ans Licht zu bringen, welche spätere Zerwürfnisse mit einer negativen bzw. einseitigen Beurteilung bedachten; Vieles geriet in Vergessenheit. Der bedeutende Beitrag von Autoren aus den böhmischen Ländern in der Wiener Vormärz-Presse wird durch vorliegende Arbeit erstmals dokumentiert, ebenso wie das Interesse an der tschechischen Kultur in Wien.
Veröffentlicht mit Unterstützung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)

The memory of cultural processes in Central Europe is intimately connected to the evolution of literary language, national literatures and the preservation of national identity in the first half of the 19th century. This development was of lasting importance also for the self-image of Slavic cultures in Central Europe. Traumatic collective experiences of wars, totalitarianism and economic coercion the young nation states had to cope with in the 20th century, triggered mechanisms of cultural exclusion and dissociation. The commemoration of shared cultural tenets was suppressed and strategies for constructing national identity were pursued. The Viennese Vormärz-Slavica Project encompasses a study of Metternich-era Viennese-issued non-political periodicals of scholarly nature and for entertainment, focusing on the collection of references to Slavic countries and cultures. So far four volumes have been published: 1990: References to Russia in Viennese Vormärz-Periodicals (1805–1848); 1992: References to Poles and Ruthenians in Viennese Vormärz-Periodicals (1805–1848); 1994: References to the South Slaves in Viennese Vormärz-Periodicals (1805–1848); 1998: Supplement to Vol. I; 2004: References to Upper Hungary (Slovakia) in Viennese Vormärz-Periodicals (1805–1848); the material in these volumes is arranged in the form of a critical inventory, according to the topics Literature and Writing, Linguistics, History, Educational Institutions, Religion, Law, Political Economy, and Natural Sciences. The volume to follow covers the references to the Bohemian lands (present day Czech Republic) and their cultural ties with Vienna. In Part I the material of the first chapter (Literature and Writing) is to be published. It offers a bibliography of the references to writers from the Bohemian lands who wrote in Czech and/or in German and published in Viennese periodicals, or whose books were reviewed. Many of them came to Vienna to study, or settled permanently in Vienna, earning a living as journalists. The volume contains the references to activities of publishing houses in Prague or Brno, the coverage of the Forged Manuscripts case, (Rukopisy královédvorský a zelenohorský), an account of legends, short stories, poems, libretti, using Bohemian historical plots, news items concerning the Czech and German language press, translated literature, remarks and essays concerning the literary scene of the Bohemian capital. The study evaluates these sources as repositories of memory, compiling a critical survey and inventory of the relevant material, and shedding light on the German-Czech cultural coexistence that was later viewed in a one-sided or even negative way. It shows for the first time how extensive the contribution of writers from the Bohemian lands to Viennese media was in the pre-1848 period and it also documents the interest of the Viennese public in Czech culture.
Printed with the support of the Fund for the Promotion of Academic Research

Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Austrian Academy of Sciences Press
A-1011 Wien, Postgasse 7/4
Tel. +43-1-515 81/DW 3402-3406, +43-1-512 9050, Fax +43-1-515 81/DW 3400
http://verlag.oeaw.ac.at, e-mail: verlag@oeaw.ac.at
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Die Erinnerung an kulturelle Prozesse, verbunden mit der Herausbildung von modernen Schriftsprachen und Nationalliteraturen bzw. der Bewahrung nationaler Identität (Polen) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist für das Selbstverständnis der slavischen Kulturen Zentraleuropas von größter Bedeutung. Traumatische kollektive Erfahrungen von Kriegen, Totalitarismen und ökonomischen Zwängen, welche die jungen Nationalstaaten im 20. Jahrhundert zu gewärtigen hatten, führten zu Prozessen kultureller Ab- und Ausgrenzung, die nach wie vor mentale Barrieren darstellen. Die Erinnerung an kulturelle Gemeinsamkeiten war in den Hintergrund getreten, allseits wurden Strategien, die der Konstruktion nationaler Identität diente, verfolgt. Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wien, dem Zentrum politischer Macht des Habsburgerstaates, erschienenen gelehrten Zeitschriften und Unterhaltungsblätter, die sich als “nicht politische„ Organe definierten, haben in Form von Abhandlungen und Skizzen, Korrespondenzberichten, Notizen, Buchanzeigen und -besprechungen, und in ihren belletristischen Teilen durch Abdruck von literarischen Kurztexten trotz Zensur und Gängelung der Presse nicht zuletzt auch Wissen über den zentraleuropäischen Raum vermittelt. Das Wiener Vormärz-Slavica-Projekt hat sich die Auswertung dieser Quellen zum Ziel gesetzt. Dies geschieht in Form einer nach Themenbereichen gegliederten kritischen Bestandsaufnahme und Inventarisierung des Materials. Es erschienen bislang vier Bände: 1990: Russland in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805–1848) (Nachträge: 1998); 1992: Polen und Ruthenen in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805–1848); 1994: Die Südslaven in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805–1848; 2004: Oberungarn (Slowakei) in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz. (1805–1848). Die Kapitelgliederung ist in allen Bänden gleich: Literatur und Schrifttum – Sprachwissenschaften – Philosophie, Ästhetik, Rhetorik – Bildungsinstitutionen – Kunst – Recht – Landeskunde – Politische Ökonomie Naturwissenschaften und Mathematik. Der nun folgende fünfte Band über die böhmischen Länder umfasst in Teil I das Kapitel „Literatur und Schrifttum“ und erfasst: Nachrichten über tschechische und deutschsprachige belletristische Schriftsteller aus den böhmischen Ländern; eine Bibliographie ihrer zahlreichen in den Feuilletonteilen der Unterhaltungsblätter erschienenen Texte bzw. rezensierten Bücher; eine Bibliographie böhmischer Stoffe; im Zitat die Beiträge über die Handschriften-Funde (Königinhofer und Grünberger Handschrift); Hinweise auf Notizen das Verlagswesen, die tschechische und deutschsprachige Presse; Übersetzungsliteratur; Beiträge zur Literaturkritik und Literaturentwicklung. Dieses Material wird aus dem Speicher des Gedächtnisse gehoben, um so die kulturellen Verhältnisse vor 1848 ans Licht zu bringen, welche spätere Zerwürfnisse mit einer negativen bzw. einseitigen Beurteilung bedachten; Vieles geriet in Vergessenheit. Der bedeutende Beitrag von Autoren aus den böhmischen Ländern in der Wiener Vormärz-Presse wird durch vorliegende Arbeit erstmals dokumentiert, ebenso wie das Interesse an der tschechischen Kultur in Wien.
Veröffentlicht mit Unterstützung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)

The memory of cultural processes in Central Europe is intimately connected to the evolution of literary language, national literatures and the preservation of national identity in the first half of the 19th century. This development was of lasting importance also for the self-image of Slavic cultures in Central Europe. Traumatic collective experiences of wars, totalitarianism and economic coercion the young nation states had to cope with in the 20th century, triggered mechanisms of cultural exclusion and dissociation. The commemoration of shared cultural tenets was suppressed and strategies for constructing national identity were pursued. The Viennese Vormärz-Slavica Project encompasses a study of Metternich-era Viennese-issued non-political periodicals of scholarly nature and for entertainment, focusing on the collection of references to Slavic countries and cultures. So far four volumes have been published: 1990: References to Russia in Viennese Vormärz-Periodicals (1805–1848); 1992: References to Poles and Ruthenians in Viennese Vormärz-Periodicals (1805–1848); 1994: References to the South Slaves in Viennese Vormärz-Periodicals (1805–1848); 1998: Supplement to Vol. I; 2004: References to Upper Hungary (Slovakia) in Viennese Vormärz-Periodicals (1805–1848); the material in these volumes is arranged in the form of a critical inventory, according to the topics Literature and Writing, Linguistics, History, Educational Institutions, Religion, Law, Political Economy, and Natural Sciences. The volume to follow covers the references to the Bohemian lands (present day Czech Republic) and their cultural ties with Vienna. In Part I the material of the first chapter (Literature and Writing) is to be published. It offers a bibliography of the references to writers from the Bohemian lands who wrote in Czech and/or in German and published in Viennese periodicals, or whose books were reviewed. Many of them came to Vienna to study, or settled permanently in Vienna, earning a living as journalists. The volume contains the references to activities of publishing houses in Prague or Brno, the coverage of the Forged Manuscripts case, (Rukopisy královédvorský a zelenohorský), an account of legends, short stories, poems, libretti, using Bohemian historical plots, news items concerning the Czech and German language press, translated literature, remarks and essays concerning the literary scene of the Bohemian capital. The study evaluates these sources as repositories of memory, compiling a critical survey and inventory of the relevant material, and shedding light on the German-Czech cultural coexistence that was later viewed in a one-sided or even negative way. It shows for the first time how extensive the contribution of writers from the Bohemian lands to Viennese media was in the pre-1848 period and it also documents the interest of the Viennese public in Czech culture.
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