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Wüstner Wüstner Joseph Rupert: (Wistner), Familie
Joseph Rupert: * 1811-09-2323.9.1811 Spittal an der Drau/K, † 1863-12-1515.12.1863 Spittal an der Drau. Lehrer, Organist. Der Begründer einer Lehrerdynastie stammt aus einer Chirurgenfamilie. Sein Urgroßvater Johannes Christophorus Wistner (verheiratet mit Elisabetha Aigner) war Bürger und Chirurg in Spittal an der Drau, wie auch sein Großvater Joannes Josephus Wistner (* 13.12.1737 Spittal an der Drau, † 10.7. [nicht 8.] 1821 Spittal an der Drau), als Witwer verheiratet mit Anna Maurer. Sein Vater Joseph (* 20.11.1772 Spittal an der Drau, † vor 1845 [Ort?]) war bei seiner Heirat mit Maria Hofer, einer Hebamme (* 4.7.1784 Spittal an der Drau, † 5.7.1858 Spittal an der Drau; Tochter des Pfarrmesners Johann Hofer und der Elisabeth Vetzin), am 27.11.1804 in Spittal an der Drau Chirurg in Radenthein/K, später in Döllach im Mölltal/K. J. R. war ab 1834 Schulgehilfe in seinem Heimatort und übernahm am 16.5.1845 den vereinigten Mesner-, Lehrer- und Organistenposten von seinem Onkel Johann Hofer, dem dortigen Musterlehrer. Ungeeignet für den Schuldienst wurde er aufgrund mehrerer Beschwerden ob seiner Trunksucht und dadurch bedingter Vernachlässigung des Schuldienstes 1859 seines Dienstes enthoben. Er war der Begründer einer umfangreichen Musikaliensammlung (anfangs in erster Linie Lehrwerke), die von den späteren Generationen erweitert wurde. Der gesamte Bestand dürfte sich auf ca. 300 Stück belaufen. Am 2.6.1845 heiratete er in Malta/K Katharina Pucher (Bucher; * 17. [nicht 26.] 3.1823 Millstatt/K, † nach 4.7.1855 [Ort?, nicht Spittal]), Tochter von Alois Pucher, Förster bei Constantin Graf Lodron zu Dornbach, und seiner Frau Maria Schmölzer. In zweiter Ehe war er mit Elisabeth Pucher (Bucher; * 9.11.1826 [nicht 13.9.1827] Schloss Dornbach bei Malta, † ?), der jüngeren Schwester seiner ersten Frau und Taufpatin von dreien seiner fünf Kinder aus dieser Ehe, vermählt. Von seinen drei Söhnen sind Josef und Vinzenz in seine Fußstapfen getreten.

Seine Söhne

Josef: * 4.3.1846 Spittal an der Drau, † 6.1.1888 Klagenfurt. Lehrer, Organist, Chormeister. Am 12.9.1869 heiratete er in Spittal an der Drau Josepha Adelheid Wallar (* 12.4.1850 Lieseregg/K, † 25.1.1873 Spittal an der Drau), Tochter eines Buchhalters und der Amalia Walcher. Sein Vater unterwies ihn im Orgelspiel und in der Kontrapunktlehre, was u. a. durch Abschriften diverser Stücke für Orgel, die von beiden gemeinsam 1861–63 angefertigt wurden (Sammlung „Lieder / und / Präludien“, die u. a. Werke von Franz Herrmann, J. Lindpaintner, Ferd. Schubert und Franz Abt beinhaltet) sowie durch fünf Notenhefte mit Fugen- und Präludienbeispielen und anderen Übungen für den Organisten (wie u. a. Kompositionen von Christoph Bach, S. Sechter und R. Führer) belegt ist. Angefangen vom Vater, wurden die Hefte bis 1864 vom Sohn weitergeschrieben. Streichungen und aufführungspraktische Vermerke, sowie Generalbassaussetzungen zeigen, dass diese für Lehr- und Aufführungszwecke angelegt wurden. Neben den praktischen Beispielen für den Orgelunterricht existiert auch eine vermutlich von ihm geschriebene Anleitung zum Präludieren (vollendet 1863, seine Autorschaft ist nicht beweisbar), die in einem sichtbaren Zusammenhang mit den Übungsbeispielen steht. Auch Hinweise auf eine – bisher nicht auffindbare – Harmonielehre finden sich. 1863 erhielt J. W. die Lehramtsbefähigung, 1864 wurde er in der Pfarrhauptschule zu Spittal an der Drau für den Lehrer-, Mesner- und Organistendienst angestellt. Ab 1868 hatte er eine Lehrerstelle an der neuerrichteten vierklassigen Knabenhauptschule in Klagenfurt inne, wo er es bis zum Bezirksschulinspektor brachte. 1862 trat er dem Klagenfurter Männergesangverein bei, 1869/70 war er dessen Archivar und ab 1873 Chormeister. 1868 war er im Aktionskomitee des 1874 neu konstituierten Musikvereins für Kärnten und wurde zu dessen Archivar ernannt. Seine Bemühungen um das Kärntner Schulwesen zeigen sich in seinem Entwurf eines Wochenbuches für die ungeteilte einclassige Volksschule (1886), der für alle Gegenstände eine Lehrzielbeschreibung enthält. Die Aussage, dass er „methodische Werke“ besaß, „die man in wenigen öffentlichen Büchersammlungen und im Buchhandel gar nicht findet“ (Kollitsch, 30), wird durch seinen Nachlass bekräftigt. J. W. erweiterte den ursprünglichen Bestand der Musikaliensammlung hauptsächlich durch Gesangliteratur für Unterrichtszwecke.

Vinzenz: * 20.1.1864 Spittal an der Drau, † 28.12.1922 Graz. Lehrer, Komponist. Sohn aus zweiter Ehe. Er begann seine Lehrtätigkeit 1883 als Unterlehrer in der zweiten Klasse der Volksschule St. Paul im Lavanttal. 1886 legte er in Klagenfurt die Lehrbefähigungsprüfung ab, 1887 wurde er für die Volksschule St. Paul definitiv ernannt, 1893 als Lehrer an der Knabenvolksschule 5 in Klagenfurt. 1902 erhielt er sein Zeugnis für die zweite Klasse der Bürgerschullehrbefähigung. Anschließend ging er nach Cilli (Celje/SLO), wo er sich am 14.8.1904 mit Aurora Kuželyk (Postexpeditorin, * 28.2.1881 Cilli, † ?) vermählte. Ab 1905 bis zumindest 1917 war er in Graz an der Elisabeth-Knaben-Bürgerschule tätig, 1917 gehörte er als Fachlehrer auch der Prüfungskommission für allgemeine Volks- und Bürgerschulen an. Er verstarb als Direktor der Franz-Josef-Mädchen-Bürgerschule. Wie sein älterer Bruder Josef war auch er mit dem Kärntnerlied eng verbunden: Er unterstützte dessen Fortbestand durch rege Sammlertätigkeit, sandte H. Neckheim einzelne Lieder für dessen Ausgabe und steuerte auch eigene Vertonungen bei. Im Nachlass befindet sich eine von ihm 1883 angelegte Sammlung von 76 ein- bis vierstimmigen Liedern (größtenteils handschriftlich) mit Kompositionen u. a. von Victor Nessler, A. M. Storch, F. Abt, Hartmann Stuntz, Christof Schnyder, R. Heuberger, Th. Koschat und J. Netzer. Im Anhang dazu finden sich zwölf von W. „Nach Kärnterliedern harmonisierte“ Stücke, von denen bei einigen W. selbst als Quelle aufscheint. Eine umfangreiche Sammlung kleiner Hefte ein- bis vierstimmiger Lieder (größtenteils handschriftlich), unterteilt in Sachgruppen, beinhaltet teilweise ebenfalls Kompositionen von ihm.


Literatur
TMA 16 (2007); I. Schubert in E. Th. Hilscher (Hg.), [Fs.] Th. Antonicek 1998; A. Kahr, V. W., mschr. Forschungsreferat Graz 2001 [mit einem Kat. der Hefte ein- bis vierstimmiger Lieder]; A. Kollitsch, Gesch. des Kärntnerliedes 1936; P. Schöffmann, Klagenfurt als Schulstadt (1848–1918) 1994; A. Anderluh, Kärntens Volksliedschatz, I. Abteilung, Bde. 1–6 (1960–72); H. Neckheim/J. Pommer, 222 Echte Kärntnerlieder, Abteilung I u. II (1895–99); G. Moro in G. Moro/A. Wilhelmer, Zur Musikgesch. Kärntens 1956; H. Moro (Hg.), Kärntnerischer Lehrerkalender und vollständiger Personalstandausweis für das Schuljahr 1895/96 und 1898/99; A. Otter (Hg.), Standesausweis der steiermärkischen Volksschule 1913, 1917; Geburtsbuch der Pfarre Spittal/Drau 1692–1739, fol. 304, 1739–1803, fol. 137, 1800–51, pag. 306, 332, 344, 1852–77, fol. 10, 21, 86; Sterbebuch der Pfarre Spittal/Drau 1800–51, fol. 50, 1852–76, fol. 30, 103; Trauungsbuch der Pfarre Spittal/Drau 1800–1872, [fol. 5] u. pag. 133; Geburtsbuch der Pfarre Malta 1809–1826, fol. 79; Trauungsbuch der Pfarre Malta 1827–61, fol. 52; Geburtsbuch der Pfarre Millstatt 1810–23, fol. 93; Sterbebuch der Pfarre Klagenfurt Dom 1877–94, fol. 183; Geburtsbuch der Pfarre Lieseregg 1847–64, fol. 37; Trauungsbuch der Pfarre Celje/SLO Sv. Danijel 1897–1906, fol. 361; Nachlass: Bestand W. Karl-Franzens-Bibliothek (A-Gu).

Autor*innen
Ingrid Schubert
Letzte inhaltliche Änderung
4.2.2022
Empfohlene Zitierweise
Ingrid Schubert, Art. „Wüstner (Wistner), Familie“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 4.2.2022, abgerufen am ), https://dx.doi.org/10.1553/0x003c5cb5
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.


DOI
10.1553/0x003c5cb5
GND
Wüstner Joseph Rupert: 1250688434
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Wüstner Josef: 1250688965
OBV
Weiterführende Literatur
GND
Wüstner Vinzenz: 125068952X
OBV
Weiterführende Literatur

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